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Armut in Österreich

In Österreich waren im Jahr 2021 etwa 1,5 Millionen Menschen von armuts- und oder ausgrenzungsgefährdet. Rund ein Fünftel der Betroffenen sind Kinder. Zwei Jahre Corona-Pandemie haben die Situation für viele Menschen verschärft und auch Personen, die zuvor noch nicht von Armut betroffen waren, fanden sich in einer prekären Lage wieder. Nun bringen die steigenden Lebensmittel- und Energiepreise zunehmend viele Menschen in Bedrängnis. Für Menschen in Armut sind sie existenzgefährdend. 

Die WIENER TAFEL unterstützt tausende armutsbetroffene Menschen mit Lebensmitteln. 2021 konnten wir geschätzte 20.000 Menschen in mit Lebensmitteln versorgen. Das bedeutet für uns im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme um 25%. Damit ist die Zahl der versorgten Personen auch höher als vor der Corona-Krise. Gleichzeitig konnten auch im Vergleich zu 2020 um 30% mehr Lebensmittel, insgesamt 746.100 kg, gerettet und weiterverteilt werden.

Unterstützung für die Ukraine

Seit über zwei Monaten herrscht Krieg in der Ukraine. Über 4 Millionen Menschen sind vor Gewalt und Zerstörung auf der Flucht und benötigen dringend humanitäre Hilfe. Gemeinsam mit den europäischen Tafeln (FEBA) unterstützen wir Tafeln in der Ukraine und den angrenzenden Nachbarstaaten mit haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Vor kurzem erreichte der von uns organisierte Transport mit Hilfsgütern die Tafel in Lemberg. Gleichzeitig unterstützen wir die ukrainische Tafel finanziell und ermöglichen so den dringend notwendigen Zukauf von Lebensmitteln.

Zehntausende Menschen haben bereits in Österreich Schutz vor dem Krieg gefunden. Ein Großteil der Geflüchteten kommt hier in Wien an. Die Wiener Tafel unterstützt bei der Versorgung der Menschen in Ankunftszentren und sozialen Einrichtungen. In einer gemeinsamen Sammelaktion mit MyPlace Selfstorage wurden dafür bereits etwa 4 Tonnen an Hilfsgütern gespendet.

Die Unterstützung der ukrainischen Geflüchteten wird uns noch längere Zeit begleiten. Einige der von uns belieferten Sozialeinrichtungen haben bereits geflüchtete Menschen aus der Ukraine aufgenommen, diese werden nun bei unseren wöchentlichen Liefertouren mitversorgt.  

Bitte unterstützen Sie uns und spenden Sie jetzt!

Preisalarm: Heizen oder Essen?

Bereits im Jahr 2021 wurde eine Erhöhung der Lebensmittel- und Energiepreise wahrgenommen. Dieser Trend verschlimmert sich 2022 zusehends. Laut Schätzungen befinden wir uns im Moment in der höchsten Teuerungsrate seit 40 Jahren. Die Preise könnten noch weiter erhöht werden. Da die Kosten von Energie, Rohstoffen und Logistik im Moment sehr hoch sind, könnte die gesamte Lebensmittelbranche von Teuerungen betroffen sein. Immer mehr Menschen versuchen bei den Lebensmitteleinkäufen zu sparen oder auf günstigere Alternativen umzusteigen. Für Menschen in Armut gibt es jedoch oftmals keine Alternativen, da das Geld bereits vor den Teuerungen nicht reichte!  In Großbritannien war die Lage bereits im Februar bedrohlich, dass Human Rights Watch darauf aufmerksam machte.

Immer mehr Menschen bei den Ausgabestellen

Als Konsequenz suchen immer mehr Menschen Unterstützung bei Lebensmittelausgabestellen. Eine Ausgabestelle der Volkshilfe Wien in der Modecenterstraße im 3.Bezirk versorgt wöchentlich etwa 150 Menschen mit Lebensmittelpaketen. Im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie hat sich die Ausgabe mehr als verdoppelt, wobei auch ein niederschwelligerer Ablauf eingeführt wurde. Aufgrund von Corona musste mehr Personal eingesetzt werden, um die geltenden Sicherheitsrichtlinien einhalten und umsetzen zu können. Die Volkshilfe Wien erkennt bereits jetzt einen gestiegenen Bedarf an Lebensmitteln, wobei erfahrungsgemäß zu erwarten ist, dass die Nachfrage über die Sommermonate noch weiter ansteigen wird.  

Durch eine Kooperation mit der Wiener Tafel und dem Ökosozialen Forum kann die Volkshilfe Wien nun auch frisches Obst und Gemüse anbieten. Durch die Teuerungen werden gerade auch Obst und Gemüse für zunehmend viele Menschen unerschwinglich. Daher freut es uns besonders, mehr Menschen einen Zugang zu gesunden Lebensmitteln zu ermöglichen. 

Corona und Armut

2 Jahre Corona – soziale Verschärfung und kein Ende in Sicht

Seit über 2 Jahren befindet sich die Welt im Ausnahmezustand. Die Corona-Krise und daraus resultierende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen hatten für viele Menschen gravierende Folgen. Plötzlich fanden sich Menschen, die nie zuvor von Armut betroffen gewesen waren, am Rande ihrer Existenz, wie etwa Künstler:innen und Einpersonen-Unternehmen. Weiterhin stark betroffen waren Alleinerziehende und Bezieher:innen von Mindestsozialleistungen. Menschen, die aufgrund prekärer Arbeitsverhätnisse über keine Ersparnisse verfügten, waren besonders gefährdet. Viele, die früher nie oder nur punktuell auf Lebensmittelhilfen zurückgegriffen haben, wurden nun oftmals von diesen abhängig. Steigende Lebensmittel- und Energiepreise verschärfen die Situation zusätzlich.

Die Armutskonferenz führte im Auftrag des Sozialministeriums 2020 und 2021 je eine qualitative Erhebung zum Thema Corona und Armut durch, in denen das individuelle Erleben der Krise von betroffenen Personen in den Vordergrund gerückt wird. Fehlende Mittel um Lebensmittel zu kaufen, beengte Wohnräume, psychische Belastungen und Existenzängste waren nur einige der Themen, die in dieser Studie angesprochen werden.

Hier finden Sie beide Studien zum Nachlesen:

Erhebung 2020

Erhebung 2021

International: Oxfam Studie zeigt globales Ungleichgewicht

Die Corona-Krise hatte nicht für alle Menschen dieselben wirtschaftlichen und gesundheitlichen Auswirkungen. Die aktuelle Studie von Oxfam ,,Inequality Kills’’ (dt. Ungleichheit tötet) zeigt diese Unverhältnismäßigkeit auf: Die zehn reichsten Menschen der Welt konnten während der Krise ihr Vermögen verdoppeln, während Schätzungen davon ausgehen, dass global gesehen über 160 Millionen Menschen zusätzlich in Armut abgerutscht sind. Oxfam spricht in diesem Zusammenhang von ,,ökonomischer Gewalt’’ und meint damit ein System, das Reichtum und Macht strukturell bevorzugt. Gleichzeitig werden Ungleichheiten entlang von Einkommen, Geschlecht und Herkunft immer größer. Ungleichheiten, die weltweit alle vier Sekunden zum Tod eines Menschen führen – worauf der Titel der Studie hindeutet.