Tafelpartner:innen

Geschichten von unseren Tafelpartner:innen

Seit 10 Jahren bietet das Wohnhaus Franziska Fast ehemals wohnungslosen Menschen, die aufgrund von Alter, körperlicher oder psychischer Erkrankung oder Suchterkrankung nicht mehr eigenständig wohnen können, eine unbefristete Unterkunft – viele bleiben bis an ihr Lebensende. Ein multiprofessionelles Team und stationäre Angebote bieten den Bewohner:innen die passende Unterstützung und Betreuung – ohne Druck und Stigmatisierung. Die Lebensmittel der Wiener Tafel sind seit Jahren ein willkommenes Angebot:

Wohnhaus Franziska Fast - Möglichkeiten schaffen ohne Druck

Das Wohnhaus Franziska Fast feierte Ende August sein 10jähriges Bestehen. Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht eigenständig wohnen können, finden dort eine unbefristete Unterkunft. Das Besondere am Franziska Fast Haus ist der eigene Anspruch, den Bewohner:innen ein Zuhause zu bieten, in dem jede:r möglichst eigenständig leben kann und gleichzeitig in dem Maß Unterstützung bekommt, in dem diese benötigt wird. Jede der 86 Wohneinheiten ist mit Küche und Bad ausgestattet, fünf davon sind barrierefrei eingerichtet.  

Die Gründe, weshalb Personen ins Franziska Fast Haus kommen, sind vielfältig. Viele der Bewohner:innen waren obdachlos und benötigen aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters besondere Betreuung. Aber auch Personen mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen oder einer Suchtproblematik finden dort einen Ort, an dem sie ankommen können. Lange Zeit war es das einzige soziale Wohnhaus, das Menschen, die von illegalen Drogen abhängig waren, einen Wohnplatz mit einem Substitutionsprogramm anbot.  

 Der geschützte Rahmen, den das Wohnhaus bietet, ermöglicht den Menschen, ein Stück ,,Normalität’’ zu finden, ihren eigenen Rhythmus zu entwickeln und Unterstützungsangebote zu ihren Bedingungen in Anspruch zu nehmen. Im Haus Franziska Fast dürfen die Menschen einfach sein, ohne Vorgaben erfüllen zu müssen. ,,Wir möchten Möglichkeiten schaffen, ohne Druck aufzubauen’’, beschreibt es der Hausleiter Thomas Doppler. Er und ein Team aus multiprofessionellen Mitarbeiter:innen kümmern sich täglich um die Bedürfnisse und Anliegen der Bewohner:innen. Das Wohnhaus bietet verschiedenste stationäre Betreuungsmöglichkeiten, die für die Bewohner:innen möglichst niederschwellig angeboten werden: Neben wöchentlichen externen Besuchen von Psycholog:innen des MEN und FEM sowie eines Psychiaters, kommt auch zweimal wöchentlich eine praktische Ärztin des Neunerhaus, an die sich die Bewohner:innen wenden können. Zweimal wöchentlich bekommt das Wohnhaus auch Lebensmittel von der Wiener Tafel geliefert. Die Bewohner:innen, die sich alle selbst versorgen, dürfen sich davon nach Belieben bedienen. 

Die letzten zweieinhalb Jahre waren eine der größten, vielleicht sogar die größte Herausforderung im 10jährigen Bestehen der Einrichtung. Da viele der Menschen im Franziska Fast Haus als gesundheitlich sehr vulnerabel gelten, war besondere Vorsicht geboten – der andauernde Stress und die stetige Ungewissheit, vor allem zu Beginn der Pandemie, waren für das gesamte Team und die Bewohner:innen eine große Belastung, die immer noch nachwirkt. Gerade für Bewohner:innen, die mit psychischen Problemen und/oder Suchtverhalten zu kämpfen haben, hat sich die Situation in vielen Fällen verschlechtert. Trotz aller Schwierigkeiten waren die Zimmer des Franziska Fast Hauses auch während Corona bis zu 98% belegt. Der große Wunsch ist nun, durch einen halbwegs ,,normalen’’ Herbst und Winter ohne Coronawellen zu kommen.  

Wir wünschen dem Franziska Fast Haus alles Gute und hoffen, sie auch in den kommenden zehn Jahren mit Lebensmitteln unterstützen zu können! Es freut uns wirklich sehr, dass unsere Lieferungen schon so lange zum Alltag des Franziska Fast Hauses dazugehören!

Foto: © FFH

An 365 Tagen können Menschen ohne Obdach im Tageszentrum Josi ihre Grundbedürfnisse decken. Sie erhalten Beratung, Betreuung und Unterstützung auf dem Weg aus der Obdachlosigkeit. Viele der Besucher:innen befinden sich in einem prekären Gesundheitszustand, welcher durch das Leben auf der Straße noch verschlechtert wird. Durch die Lebensmittelhilfen der Wiener Tafel erhalten die Besucher:innen Zugang zu gesunden Lebensmitteln, die sie sich ansonsten nicht leisten könnten:

Obdach Josi – Ein geschützter Raum für Menschen ohne Obdach

 Das Obdach Josi ist ein Tageszentrum für erwachsene obdachlose Menschen und hat 365 Tage im Jahr mit Beratungen und Versorgungsangeboten für betroffene Personen geöffnet.   Viele der Besucher:innen, die dort Unterstützung suchen, leben auf der Straße und sind mit enormen Herausforderungen konfrontiert, die ein Leben ohne Obdach mit sich bringt. Die Schwierigkeiten beginnen bereits bei der täglichen Deckung diverser Grundbedürfnisse wie essen, trinken, duschen, Wäsche waschen oder der Suche nach einer Toilette. Bereits das Aufladen des Handys, manchmal die einzige Verbindung zu sozialen Kontakten, stellt ein Problem dar.

 

Zu den häufigsten Gründen, weshalb Menschen ihre Wohnung verlieren, gehören der Verlust der Erwerbsarbeit sowie psychische und physische Erkrankungen. Viele der Besucher:innen des Josi befinden sich in einem schlechten Gesundheitszustand. Die täglichen Anstrengungen, die das Leben auf der Straße mit sich bringt, verschlechtern diese Situation noch weiter, die körperlichen und psychischen Belastungen sind oftmals verheerend. Ein Leben ohne geschützten Raum, ohne Rückzugsmöglichkeiten, ist überaus beschwerlich und stressig. Die soziale Stigmatisierung der Menschen kommt belastend hinzu. Das tägliche Leben ist oftmals von neugierigen Blicken, aber auch offenen Anfeindungen geprägt.

 

Menschen, die auf der Straße leben, haben meist keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Das Obdach Josi bietet daher wichtige Unterstützung, um Menschen diesen essentiellen Zugang zu ermöglichen und die Besucher:innen gesundheitlich zu stabilisieren. Da die Menschen auf der Straße allen Wetterlagen ausgeliefert sind, sind extreme Wetterverhältnisse stets eine enorme Herausforderung. Doch nicht nur die Wintermonate, auch die bevorstehende Sommerzeit kann für obdachlose Menschen große Risiken mit sich bringen. Die zunehmende Hitze bedeutet zusätzliche gesundheitliche Schwierigkeiten: Sonnenbrände, Hitzeschläge und vor allem auch Dehydrierung sind sehr belastend für den Körper und können für Betroffene gefährlich werden. Daher sind Straßensozialarbeiter:innen von Obdach Wien ständig im Einsatz, um betroffenen Menschen direkt auf den Straßen Wiens Beratung und Hilfestellungen anzubieten.

 

Das Obdach Josi bietet ganzjährlich Beratungen an, um Klient:innen bei akuten Krisen beizustehen und Wege aus der Obdachlosigkeit zu finden. Zusätzlich zählt die Deckung von Grundbedürfnissen zu den zentralen Zielen des Tageszentrums. Eine regelmäßige oder gar gesunde Ernährung ist für viele Besucher:innen des Obdach Josi kaum erschwinglich und keine Selbstverständlichkeit. Dabei ist gerade für Menschen, deren Gesundheit bereits stark angeschlagen ist, ein Zugang zu frischen und gesunden Lebensmitteln besonders wichtig. Durch die Spenden der Wiener Tafel können die Besucher:innen auf ein Angebot aus vielfältigen Lebensmitteln zugreifen, oftmals sind auch Produkte dabei, die für sie ansonsten nicht leistbar wären. Neben der Lebensmittelausgabe bietet das Obdach Josi den Besucher:innen auch die Möglichkeit, für sich selbst oder als Gruppe Mahlzeiten zu kochen. So machen die Lebensmittel nicht nur satt, sondern stärken auch den Selbstwert und den Zusammenhalt der Besucher:innen.

 

Wir freuen uns sehr, dass unsere Lebensmittel im Obdach Josi so eine gute und vielfältige Verwendung finden!

Foto: © Fonds Soziales Wien. Walter Pucher, Angelika Reznik.

Das Haus Awat

Das Haus Awat bietet geflüchteten Menschen in Wien seit 2017 Unterkunft und soziale Beratung an. Die Einrichtung unterstützt Menschen, die sich im Asylverfahren befinden und auch in der ersten Zeit nach Erhalt ihres Aufenthaltstitels.   

Menschen im Asylverfahren erhalten eine Grundversorgung, die derzeit 5,50 € pro Tag an Verpflegungsgeld vorsieht. Zu diesen wöchentlichen 38 Euro kommt einmal monatlich 40 € an „Taschengeld” hinzu. Diese Beträge wurden seit 2017 nicht mehr an die wirtschaftlichen Bedingungen angepasst. Obwohl die finanziellen Möglichkeiten von Menschen in der Grundversorgung sehr gering sind, hält sich in der österreichischen Bevölkerung oftmals der Mythos der luxuriös lebenden Geflüchteten und trägt zu einer ablehnenden Haltung gegenüber Menschen mit Fluchthintergrund bei. Gleichzeitig haben Menschen in der Grundversorgung keinen freien Zugang zum Arbeitsmarkt. 

Aufgrund der prekären finanziellen Situation der Menschen ist es für die Einrichtung essentiell, ihre Bewohner:innen mit Lebensmitteln von der WIENER TAFEL unterstützen zu können. Die steigenden Lebensmittelpreise verschärfen die Situation, viele Produkte sind einfach nicht leistbar. Die Lebensmittel der WIENER TAFEL sind für viele Bewohner:innen der einzige Zugang zu frischem Obst und Gemüse.  

Seit Anfang März 2022 hat das Haus Awat auch geflüchtete Menschen aus der Ukraine bei sich aufgenommen. Der Anruf mit der Bitte, ukrainische Geflüchtete aufzunehmen, erreichte die Einrichtung sehr kurzfristig und ohne Vorwarnung, sodass schnell gehandelt werden musste. Innerhalb eines Tages wurde Platz geschaffen, Bewohner:innen verlegt und Zimmer vorbereitet. Die Teamleiterin Christina Schilling hebt besonders die Unterstützung durch die Bewohner:innen des Hauses hervor, die ungeachtet ihrer eigenen prekären Wohnsituation mitanpackten, um Platz für die neu Ankommenden aus der Ukraine zu schaffen. 

Der Bedarf an Hilfsgütern stieg rasant an. Neben privaten Spenden und Lebensmittelgutscheinen waren auch hier die Lebensmittel der WIENER TAFEL essentiell, um die Menschen versorgen zu können. Es kann erwartet werden, dass noch viele Menschen, die zur ärmeren Bevölkerung der Ukraine gehören, flüchten und dingend auf Unterstützung angewiesen sein werden. 

So wie viele andere Einrichtungen, die mit geflüchteten Menschen arbeiten, sieht auch das Haus Awat mit großer Sorge die Entwicklung eines ,,Zwei-Klassen-Flüchtlingssystems’’, das Menschen, die aus einem anderen Herkunftsland als der Ukraine kommen, benachteiligt, etwa beim Zugang zum Arbeitsmarkt, Plätzen für Deutschkurse oder Zuverdienstgrenzen.  

,,Jeder Mensch ist es wert, dass ihm geholfen wird“, sagt die Teamleiterin Christina Schilling. Sie wünsche sich eine gute, effektive und gerechte Hilfestellung für alle Menschen, die diese brauchen. Solidarität und Hilfsbereitschaft sollten nicht exklusiv einzelnen Gruppen zuteil werden, sondern für alle geflüchteten Menschen gelten. 

Cafe Baharat 

Zum Haus Awat gehört auch das Cafe Baharat, in dem Subsidiär Schutzberechtigte ein Arbeitstraining absolvieren können. Während der 12 Wochen können die Teilnehmer:innen die Erfordernisse des österreichischen Arbeitsmarkts kennenlernen, werden über den Wohnungsmarkt aufgeklärt und können auch ihre Deutschkenntnisse verbessern. Das Projekt unterstützt so die Selbstermächtigung der teilnehmenden Personen. Es finden auch laufend Veranstaltungen in den Räumlichkeiten statt, weitere Infos dazu finden Sie hier.

Foto: © Daniel Nuderscher.

Herausforderungen für unsere Tafelpartnerin Augustin

Die Straßenzeitung Augustin bietet Menschen die Möglichkeit, sich durch den Verkauf ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Unter den Verkäufer:innen finden sich Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, die sich ihre Sozialhilfe aufbessern möchten, oder (noch) keine Arbeitserlaubnis in Österreich besitzen. Für viele sind die Einnahmen durch den Augustin überlebenswichtig. Die WIENER TAFEL beliefert den Verein wöchentlich mit wertvollen Lebensmitteln, um die Verkäufer:inen und ihre Familien zu unterstützen. Die meisten Wiener:innen kennen den Augustin. Es ist ein Projekt, das in der Öffentlichkeit stattfindet und von der Öffentlichkeit lebt. Genau diese Öffentlichkeit hat der Corona-Krise jedoch nicht existiert.

Trotz einer schnellen Erlaubnis, die Zeitung trotz aller Maßnahmen weiterverkaufen zu dürfen, kam es im Juni 2020 zu einem enormen Einbruch der Verkaufszahlen. Diese haben sich bis heute nur zum Teil erholt. Die allgemeine Vorsicht sowie das gelernte instinktive Abstandhalten hemmen Kund:innen, auf Augustin-Verkäufer:innen zuzugehen. Gleichzeitig scheint auch die Solidarität der Supermärkte spürbar gesunken zu sein. Durch das vergebliche Warten auf Kundschaft waren immer weniger Verkäufer:innen auf der Straße zu sehen. Doch weniger Sichtbarkeit bedeutete auch immer niedrigere Verkaufszahlen. Ein Teufelskreis.

Der gemeinsame Austausch hat ebenfalls sehr gelitten. Gemeinsame Aktivitäten konnten nicht mehr stattfinden, der Aufenthaltsraum nicht mehr genutzt werden. Die Lebensmittelausgabe konnte während der Coronazeit nicht mehr wie gewohnt gemeinsam stattfinden und so entfiel auch dieser wichtige soziale Moment. Neben erheblichen finanziellen Einbußen blieb so auch das Menschliche mehr und mehr auf der Strecke.

Der Verein arrangierte während dieser herausfordernden Zeit mehrere (Spenden-)Aktionen, wie etwa ein Crowdfunding, um den Verkäufer:innen finanziell unter die Arme zu greifen. Die eigentliche Idee des Augustin geht jedoch über Spenden hinaus: Die Zeitung soll eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen Kund:innen und Verkäufer:innen ermöglichen. Der Kauf einer Augustin-Zeitung bedeutet kein Almosen, sondern ist ein wirtschaftlicher und sozialer Austausch. Daher ist es für den Augustin sehr wichtig, dass die Zeitungen wirklich gekauft und mitgenommen und die Verkäufer:innen in ihrer Arbeit ernstgenommen werden. Es wird auch stets betont, wie sehr sich die Verkäufer:innen über freundliche Worte freuen, vor allem nach dieser langen Zeit der sozialen Distanz.

Wir als WIENER TAFEL sind froh, diesen wertvollen Partner in dieser schwierigen Zeit unterstützen zu dürfen!

Foto: © Der Augustin.

Soziale Einrichtungen

Die WIENER TAFEL versorgt rund 92 soziale Einrichtungen mit über 19.000 Klient:innen. Ein Teil dieser Sozialeinrichtungen holt die Waren direkt bei uns am Großmarkt ab. Diese Entwicklung hat sich seit den Maßnahmen gegen Corona weiter verstärkt.

Liste der Sozialeinrichtungen

 

1. Bezirk

„Wir von Ute Bock sind der WIENER TAFEL sehr dankbar für die tolle Arbeit, die sie leistet. Ohne sie wäre es uns nicht möglich etwa 200 Flüchtlinge in der Grundversorgung mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen. Vielen Dank!”

Thomas Eminger (Geschäftsführer vom Verein Ute Bock)

Kriterien für soziale Einrichtungen

Die WIENER TAFEL unterstützt mit ihren Warenspenden soziale und karitative Einrichtungen u.a. gemäß folgender Kriterien:

  • Es handelt sich um einen eingetragenen Wohltätigkeitsverein oder eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Wien.

     

  • Die soziale Einrichtung erbringt materielle Grundversorgungsangebote durch direkte Essensausgabe oder Weitergabe der Produkte an sozial benachteiligte Menschen/ Klient:innen.

     

  • Diese Grundversorgungsangebote kommen direkt armutsbetroffenen Menschen zugute (gemäß der Definition der Einkommensarmut nach EU-SILC).

     

  • Neben materieller Grundversorgung leistet die Sozialeinrichtung professionelle Beratung und/oder Betreuung durch Fachkräfte wie Sozialarbeiter:innen (z.B. Mag. FH, DAS) oder Sozialpädagog:innen.

Über die endgültige Aufnahme entscheidet der WIENER TAFEL-Vorstand.

Wenn Sie an einer Aufnahme in unseren Verteiler interessiert sind melden Sie sich bitte unter office@wienertafel.at.